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Lehren aus einem spontanen Ausflug zu den Cliffs of Moher – Fernweh

All die üblichen Widerlegungen gingen mir durch den Kopf: Ich habe keine Zeit. Ich fühle mich nicht wohl. Ich will kein Geld ausgeben. Vielleicht später.

Dann erinnerte ich mich: Ich hatte mir vorgenommen, die abgedroschene – aber effektive – Angewohnheit, Ja zum Leben zu sagen, anzugehen. Schießen.

„Ja, wir sind dabei.“ Mein Verstand hörte die Worte und verspottete mich mit leiser Verachtung. Ich sah meinen besten Freund an. Wir zuckten beide mit den Schultern. Warum nicht?

•••

Ich war jetzt schon eine Weile in Europa unterwegs und lebte seit ungefähr einem Monat in einem Hostel in Galway, Irland. Der Nachmittag war ereignislos verlaufen, bis die beiden Mädchen aus Chicago einen Roadtrip zu den Cliffs of Moher vorschlugen, die ein paar Stunden entfernt waren. Ein Amerikaner, den sie trafen, hatte ein Auto und er erklärte sich bereit, uns zu fahren, sagten sie.

Mit so vielen Amerikanern auf einmal zusammen zu sein, war ungewöhnlich. Wir fünf sprachen aufgeregt über unser Leben zu Hause und wie wir alle in Irland gelandet sind. Nur die Stöße des Autos, das über die winzigen, holprigen Straßen der irischen Landschaft raste, unterbrachen unser Gespräch.

Schließlich bogen wir in die Cliffs of Moher-Stätte ein. Schweigen. Ein weit offener Parkplatz und eine verlassene Kasse waren die einzigen Anzeichen dafür, dass an diesem Ort jemals Menschen gelebt hatten.

»Sieht aus, als hätten sie geschlossen«, sagte eines der Mädchen. “Sollen wir gehen?”

Wir haben uns umgesehen. Es ist Irland. Sie errichten keine Barrikaden und sperren alles ab wie zu Hause. Wir konnten den Ort immer noch genießen, als ob er geöffnet wäre, abzüglich der Touristenmassen. Aufregung regte sich tief in meinem Magen, als ich die Implikationen verarbeitete.

Wir hatten die Cliffs of Moher für uns alleine. Ein rebellisches Funkeln in meinen Augen signalisierte meine Zustimmung und Aufregung. Die zerklüftete Westküste Irlands – ganz meins. Ich stieg aus dem Auto, stemmte die Hände in die Hüften und atmete die kühle, salzige Luft ein. Ich war angekommen.

Wir zerstreuten uns wie Kinder am Weihnachtsmorgen, begierig darauf, unsere Geschenke zu öffnen, verzehrt im Moment. Ich wanderte zum nördlichsten Teil der Klippen, meiner Neugier folgend. Ein Steinturm bat darum, erkundet zu werden. Die Wellen des Atlantiks schlugen gegen die Seiten der Klippe und übertönten meine Gedanken in ihrem Rhythmus. Die Sonne versank am Horizont, ihre orangefarbenen Strahlen drapierten über die rauen Kanten des Felsens.

Als ich nach Westen blickte, erkannte ich, dass die USA das nächste Stück Land waren. Zum ersten Mal seit meiner Abreise blickte ich über einen Ozean hinaus auf mein eigenes Land. Mein Blick fiel die Klippen hinunter und konzentrierte sich auf die vier Gestalten, die um die Felsen und das schwammige Gras galoppierten. Durch Zufall war ich in diesem Moment mit diesen anderen amerikanischen Reisenden verbunden. Ich fühlte mich so weit weg und doch so seltsam nah an meiner Heimat.

Mein Freund ging zu dem Sims, wo ich stand, und schloss sich mir in der Trance der untergehenden Sonne an. Wir waren nur zwei Menschen, die den majestätischen Launen dieses Augenblicks erlagen. Wir haben nicht gesprochen.

Wir saßen beide im Gras und blickten in Dankbarkeit versunken nach Westen.

Sag ja.

Foto der Cliffs of Moher, aufgenommen vom Autor.

Nicole Harris, eine nach außen wahrheitssuchende Journalistin, wurde zu einer nach innen wahrheitssuchenden Yogi, schreibt jetzt freiberuflich und unterrichtet Yoga. Ihre Praxis auf der Matte begann 2011 in Minnesota und führte sie schließlich zum Unterrichten in Florida. Ihre wahre Leidenschaft ist es, das Bewusstsein zu kultivieren und so viel wie möglich aus diesem ehrlichen, realen Raum zu leben. Sie findet, dass sie am schnellsten durch die Natur, Abenteuer und Reisen dorthin gelangt. Der tiefste Weg führt über eine meditative Yogapraxis.